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- Kategorie: Menschen
- Veröffentlicht am Freitag, 01. Juni 2012 12:19
- Geschrieben von Wolf
Vernissage der Ausstellung für den Böttcherpreis 2012
Bewerbungen in den Fächern Kunst und Deutsch der Hermann-Tast-Schule
Kunstlehrerin Sabine Jung hilft beim Aufhängen der BilderAm 10. Mai um 17 Uhr fand in der Mensa der Hermann-Tast-Schule eine Ausstellungseröffnung mit literarischer Darbietung statt. Erstmalig präsentierten zwei Fachbereiche ihre Bewerber/innen für die Böttcherpreise der Fächer Kunst und Deutsch.
Um die Preise im Fach Kunst bewarben sich sieben Schüler/innen, deren Werke noch bis zur Abiturentlassungsfeier am 8.6. auf der Galerie über der Mensa zu sehen sein werden. Gezeigt werden Zeichnungen, Malerei, Plastik und Design zu verschiedenen Themen wie figürliche Darstellung, Landschaft, Stillleben sowie collagenartig zusammengefügte Bilder und Texte.
Kontrastierend nebeneinander hängen große stark farbige, expressive Bilder neben fein ausgearbeiteten realistischen Zeichnungen. Die Schüler/innen zeigen neben einigen Arbeiten aus dem Unterricht hauptsächlich die Themen und Techniken, mit denen sie sich in ihrer Freizeit beschäftigen.
Die Jury ermittelte folgende Schüler/innen als Preisträger/innen:
1. Preis: Ranka Kolodziejczyk
2. Preis: Gyde Steensen
3. Preis: Christin Witt
und nach dem Rundgang durch die Ausstellung:
Ganz neue Erfahrungen - Böttcher-Preis Literatur
Grundlage: Ulla Hahn „Das verborgene Wort"
Für das Fach Deutsch stellte Angelika Zöllmer-Daniel den Schüler/innen diesmal keine Klausuraufgabe zu einer Lektüre, sondern forderte die Schüler/innen auf, sich auf kreative Weise mit der Literatur auseinanderzusetzen. So entstanden Lesetagebücher, Collagen, Poetry Slam und szenische Darbietungen.
Preisträgerinnen:
1. Platz Katharina Gloe (12.Jg.)
2. Platz Jana Berens (13.Jg.)
3. Platz Sina Pauls (12.Jg.)
Bericht: Sabine Jung
Böttcherpreis Deutsch – hier die Kommentare zweier Teilnehmerinnen:
„Das verborgene Wort" hat mich in den letzten Wochen ziemlich oft beschäftigt. Anfangs war es nur der Titel des Buches von Ulla Hahn, das die Teilnehmer des Böttcherpreises Deutsch lesen sollten, doch es wurde für mich Grund dazu, dem Lesen auf die Spur zu gehen. Angemeldet habe ich mich für den Böttcherpreis, weil ich Spaß am Deutschunterricht habe und sehr gerne lese. Da ich letztes Jahr schon beim Böttcherpreis Griechisch teilgenommen hatte, war mir recht klar, wie alles abläuft: Eine häusliche Vorbereitung zu einer Thematik und daraufhin eine Klausur.
Doch dieses Jahr war alles anders: Statt einer „trockenen" Klausur galt es, sich kreativ mit dem Roman von Ulla Hahn auseinanderzusetzen und dabei noch die eigene Bedeutung des Lesens einzubringen. Obwohl sich diese Aufgabenstellung zunächst sehr einfach anhörte, habe ich wahrscheinlich viel mehr Zeit in das Projekt investiert, als ich es bei einer Klausur getan hätte. Wichtiger als die Zeit war jedoch, dass Herzblut und Spaß mit in das Projekt eingeflossen sind. In meinem Lesetagebuch habe ich meine Ergebnisse handschriftlich festgehalten und ich habe eine Collage gebastelt, die sowohl Aspekte des Romans als auch meine eigenen Gedanken widerspiegeln sollte.
Der größte Unterschied zum Vorjahr aber war die Vernissage. In einer zehnminütigen Präsentation durfte ich meine Ergebnisse dem Publikum präsentieren. Somit konnten alle sehen, zu welchem Ergebnis die Teilnehmer gekommen sind, und es wurden hoffentlich so einige dazu angeregt, sich selbst mal mit der Bedeutung des „verborgenen Wortes" auseinanderzusetzen. Denn was wäre das Leben ohne Bücher?
Sina Pauls
„Mit Lesen und Schreiben fängt eigentlich das Leben an"- sagt ein kluges Sprichwort zu Beginn von „ Das verborgene Wort", einem Roman von Ulla Hahn. Fast genauso könnte die Werbung für Bleistifte und Schreibhefte speziell für Grundschüler lauten, wie sie jedes Jahr aufs Neue im Handel zu sehen ist. Für uns Schüler klingt dieser Satz verbraucht: Schon seit 12 Jahren wird uns immer wieder gesagt, dass wir nicht nur für die Schule, sondern fürs Leben lernen. Lesen und Schreiben sind unser „Handwerkszeug", mit dem ersten Gekrakel und den stotternden Worten treten wir unmittelbar einen Schritt weiter in Richtung Unabhängigkeit.
Aber da muss doch mehr dahinterstecken, warum sonst könnte Ulla Hahn sagenhafte 620 Seiten damit füllen, wie großartig und wichtig Worte, Lesen und Schreiben sind. Lesen macht mir wirklich Spaß und auch Schreiben (wobei die Leser meiner handgeschriebenen Texte eher weniger Vergnügen dabei haben, sie zu entziffern), aber was ist da noch? Was muss ich noch über diese kleinen schwarzen Kleckse wissen, um ihren Wert für mich und die Welt zu begreifen? Was kann mir das kleine Mädchen aus dem Dorf am Rhein über das Leben mit der Literatur verraten?
Ich begab mich nun also auf die Jagd nach dem „verborgenen Wort", ich wollte es nicht nur finden, sondern auch an die Oberfläche tragen. Na ja, das musste ich zumindest, denn in diesem Jahr gab es eine völlig andere Aufgabenstellung als die Jahre zuvor: Statt mit einer Klausur sollten wir nun mit umfangreichem Schreiben, wirrem, kunterbuntem Basteln und einer von Nervosität geprägten Präsentation beweisen, dass wir das verborgene Wort gefunden oder zumindest gründlich nach ihm Ausschau gehalten haben.
Ich muss zugeben, dass diese umfangreiche Aufgabe eine große Herausforderung für mich war: Ich schrieb und schrieb und schrieb, bastelte zum ersten Mal in meinem Leben eine Collage und musste dazu auch noch vor, wenn auch bescheidenem, Publikum sprechen. Doch dadurch veränderte sich mein Blick: Ich wollte die kleine Hildegard nicht nur verstehen, sondern ihre Botschaft, ihre Weisheiten und Fluchten in die Welt der Literatur nach außen tragen, sie verständlich und greifbar machen. Mit dieser Aufgabenstellung war sicher sehr viel verlangt, doch ein solches großes Werk, wie es Ulla Hahn dort geschrieben hat, verdient so viel Aufmerksamkeit.
Ich behaupte, „das verborgene Wort" gefunden zu haben: Freiheit. Dass das Leben nicht ausschließlich mit dem Lesen und Schreiben anfängt, hat Hildegard, habe auch ich erkannt, denn zum Leben bedarf es einiges mehr als das. Ein guter, wichtiger Anfang ist es aber allemal. Vielleicht lügt die Werbung doch nicht immer.
Katharina Gloe
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