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- Kategorie: Kultur
- Veröffentlicht am Sonntag, 22. Januar 2012 19:07
- Geschrieben von Wolf
Artothek - Ausstellung im Husumer Rathaus
Gesammelte Bilder aus 20 Jahren Husumer Kunstverein
Rolf Brendler, Vorsitzender des Husumer KulturvereinsGrau der Tag. Irgendwie will mich der Novemberblues einholen. Was ist zu tun? Bunte Bilder gucken! Also auf ins Rathaus zur Eröffnung der Artothek-Ausstellung des Husumer Kunstvereins. Ungefähr 40 bis 50 andere haben vielleicht das gleiche gedacht.
20 Jahre gibt es den Kunstverein Husum und Umgebung jetzt. Viel hat er dazu beigtragen, dass "Kunst heute für alle gleich zugänglich ist und nicht nur für eine Elite", zitierte Rolf Brendler, Vorsitzender des Vereins, den Kunsthistoriker Curt Heigl bei seiner Eröffnungsrede. Werke von 77 Künstlern werden präsentiert, die der Verein in 20 Jahren gesammelt hat und in Kooperation mit der Stadtbibliothek seit 2007 in eine Arthothek einbringt. Unterschiedliche Stile und Formen, vielfältige künstlerische Techniken sind zu sehen.
„Vielfältig ist auch die Geschichte des Erwerbs der Bilder", so Brendler. „Es war 1993, als der St. Petersburger Künstler Victor Borisow, damals noch im Künstlerraum des Husumer Schlosses, in einer Ausstellung vertreten war. Viele seiner Bilder wurden von Husumern gekauft. 2002 wurden Bilder des Künstlers bei einer Versteigerung des Lions-Clubs Husum zur Verfügung gestellt. Sie gingen nicht weg und kamen zum Flohmarkt. Dort hat sie ein Kunstliebhaber erworben und dem Kunstverein übergeben."
Ein Besucher erinnert sich: „Borisow konnte nach der Ausstellung mit einem eigenen Auto zurückfahren, allerdings war es ein Gebrauchtwagen."
Ausstellungsbesucher114 Bilder sind im Besitz des Vereins, 92 sind in der Artothek, davon 87 in der jetzigen Ausstellung. Eine Artothek, was ist das genau? Es ist die Möglichkeit für Mitglieder der Stadtbibliothek, Bilder auszuleihen, sie in den eigenen vier Wänden aufzuhängen, sie entweder zu kaufen oder nach einiger Zeit, maximal einem Jahr, zurück zu geben. Das kostet 3 Euro im Monat. Viele Dauerleihgaben hängen unter anderem im Krankenhaus, in den Stadtwerken, bei der Polizei oder in der Sparkasse.
Rolf Brendler: „Die Idee des Kunstverleihs existiert schon seit 200 Jahren. Auch damals, im 19. Jahrhundert, war es eine Gemeinsamkeit zwischen Buch- und Kunsthandel. Das Hauptziel seinerzeit war es, das Verständnis für Kunst zu fördern.
Dann trennten sich aber Buch- und Kunsthandel. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Versuch unternommen, den Verleih von zeitgenössischen Kunstwerken wieder anzuregen. So entstanden Einrichtungen in Frankfurt, Berlin, Ulm, usw. Mit dem Tausendjährigen Reich war es damit zu Ende.
Nach dem zweiten Weltkrieg entstanden dann Artotheken in Deutschland, so wie sie in anderen Ländern schon bestanden. So 1952 die Bilderleihstelle in Berlin, Vorbild für viele andere Einrichtungen. Aber es lief nicht so richtig und es geriet in Vergessenheit.
1968 wurde in Berlin dann die Graphothek gegründet. 1970 die Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins mit rund 4.000 Werken. Weiter dann die Artotheken in Köln (1973) und München (1986). Etwa 140 Artotheken gibt es in Deutschland derzeit. Die Husumer Einrichtung ist also eine recht junge.
Mit der Artothek betreiben der Kunstverein und die Stadtbibliothek Kulturvermittlung.
Auch wenn wir feststellen müssen, es könnte besser laufen, werden wir gemeinsam an der Idee der Artothek weiterarbeiten.
Kunst ist auch ein wichtiges Stück Lebensqualität, ein Genuss für Auge, Seele und Verstand, ohne den das Leben schlicht ein wenig ärmer wäre."
Die Leiterin der Stadtbibliothek: Auguste Carstensen-Lenz„Kunst auf Zeit”, nennt Brendler das. Kunst und auch die Auseinandersetzung mit ihr, soll Alltagserfahrung sein. Nach einem Grußwort der Leiterin der Stadtbibliothek, Auguste Carstensen-Lenz, erklärte Rolf Brendler die Ausstellung für eröffnet. Mit einem Glas Sekt oder Saft konnte man jetzt eintauchen - in die Welt der zeitgenössischen Kunst.
Kunst ist also nicht nur für Eliten. Schauen Sie im Rathaus vorbei. Falls Sie eines der Werke in Ihr Wohnzimmer hängen wollen, melden Sie sich in der Stadtbibliothek. „Die intensive Auseinandersetzung ist notwendig, um zeitgenössische Kunst zu verstehen und erschließen zu können", sagt Brendler. Der Zugang zur bildenden Kunst sei schwierig, leichter sei es in der gewohnten häuslichen Umgebung.
Wolfgang Claussen











